Aus der Gehirnforschung: Entscheidungen - Ratio vs Gefühl

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Wie entstehen Entscheidungen – Ratio versus Gefühl

Intuition

Intuition ist Albert Einstein zufolge, eine große Macht : "Alles, was wirklich zählt, ist Intuition!" Sie ist ein Zusammenspiel sämtlicher Erfahrungen und Erinnerungen, die wir im Laufe unseres Lebens gesammelt haben. 

Bei einer intuitiven Entscheidung brauchen wir keine Vielzahl an Informationen, oft entscheidet man sich spontan. Schuld daran ist offenbar unser Gehirn: Während der Neokortex, der jüngste Teil unserer Großhirnrinde, für das bewusste Denken zuständig ist, empfängt die Amygdala (Mandelkern) im Zwischenhirn Empfindungen. 

Diese leitet sie an den Neokortex weiter, der dadurch in seiner Arbeitsweise beeinflusst wird. Gefühle können also unser rationales Denken beeinflussen, uns intuitiv entscheiden und handeln lassen.

Gefühle

Gefühl siegt über Verstand. Der portugiesische Neurowissenschaftler Antonio R. Damasio kam als einer der ersten seiner Zunft auf diesen Gedanken, nachdem er über Monate hinweg einen Tumorpatienten untersuchte und sein Verhalten beobachtete – der Mann, den er Elliot nannte, hatte nach der Entfernung des Tumors, bei der Teile seines Gehirns beschädigt wurden, die Fähigkeit zu fühlen verloren und konnte plötzlich keine Entscheidungen mehr treffen. Bis ins 20. Jahrhundert war die herrschende Meinung: Menschen handeln rational. Gefühle stören dabei nur. Tatsache ist, ohne Gefühl ist der Verstand hilflos.

Freier Wille

Ein Teil der Gehirnforschung ist überzeugt: Es gibt keinen freien Willen, weil neuronale Aktivitäten im Gehirn die Entscheidung fällen, bevor der Betroffene sie bewusst äußert. Diese Annahme wurde bestätigt durch ein Experiment des Physiologen Benjamin Libet: Dabei sollten Versuchspersonen einen sich bewegenden Uhrzeiger beobachten und zu einem bestimmten Zeitpunkt, den sie sich merken sollten, die Hand heben. Libet zeichnete die Gehirnaktivitäten auf. Sein Ergebnis: Kurz bevor sich die Testpersonen fürs Armheben entschieden, war dieser Entschluss bereits im Gehirn gefallen.

Stress

Aus guten Gründen also haben Menschen beides, Gefühl und Verstand. Das Geheimnis guten Entscheidens besteht darin, beide mitreden zu lassen. Wenn Gefühl und Verstand einander widersprechen, kommt es zur Kraftprobe. Wenn der Verstand abgelenkt ist, hat das Gefühl also freies Spiel. Stress ist eine denkbar schlechte Voraussetzung, um gute Entscheidungen zu treffen. Stress blockiert das Denken. »In bedrohlichen Situationen schüttet das Gehirn Noradrenalin aus«, sagt der Bremer Hirnforscher Gerhard Roth . Der Botenstoff lässt uns blitzschnell reagieren, schaltet aber weite Teile der Großhirnrinde ab. »Rationale Entscheidungen sind dann praktisch nicht mehr möglich«, sagt Roth. Wir rennen weg oder erstarren, und wer etwas tut, macht oft genau das Falsche.

Sie können sich partout nicht entscheiden?

Dann tut man gut daran, die Wahl auf morgen zu vertagen und drüber zu schlafen. Nichts wirkt harmonisierender auf ein dissonantes Seelenleben als ein Nickerchen oder eine Nachtruhe. Die besten Entscheidungen trifft man im Schlaf.

Es gibt kein allgemeingültiges Rezept, um zwischen Gefühl und Verstand zu schlichten. Dass der Weg dorthin nicht immer gerade ist, erlebte vor 300 Jahren der amerikanische Erfinder und Staatsmann Benjamin Franklin , als er von einem jungen Mann, der sich nicht zwischen zwei Frauen entscheiden konnte, um Rat ersucht wurde. Franklin empfahl ihm, auf einem Blatt Papier jeweils die Vorteile und die Nachteile der einen wie der anderen Frau zu notieren. Dann solle er zählen und jene Frau nehmen, auf deren Positiv-Seite mehr Punkte stehen. Der junge Mann tat es. Als die Siegerin feststand, wurde ihm aber schnell klar: Er wollte eigentlich die andere Frau. Die nahm er dann auch. Der Verstand hatte nicht gesiegt, aber dem Gefühl auf die Sprünge geholfen.

Gute Entscheidung

Die Kunst gut zu entscheiden, auch unter Stress. Handlungsabläufe oder Denkabläufe können durch Automatisierung, selbst unter größtem Stress abgespult werden. Abläufe lassen sich zu einem gewissen Grad durch Wiederholung automatisieren. So lassen sich auch in Extremsituationen rationale Entscheidungen treffen. Das Problem daran: Sobald etwas passiert, was vom bekannten Muster abweicht, funktioniert das Eingeübte oft nicht mehr, sagt Hirnforscher Roth. Gegen so etwas könne sich nur schützen, wer lerne, bei starkem Stress Ruhe zu bewahren (siehe Blog: Achtsamkeit).                                                       

EMPFEHLUNG: Auch wenn die Zeit drängt, tief durchatmen, am besten in den Bauch, und bis zehn zählen, bevor man eine Entscheidung trifft. Die zehn Sekunden sind gut investiert.

Quellen: Planet Wissen; ZEIT (https://www.zeit.de/zeit-wissen/2011/06/Entscheidungen)

 
Ina Meurer